4.2.Mo(defo)tografie
Um im Folgenden in der
Lage zu sein, Modefotografie als Teil des Mediums Mode analysieren zu können,
ist es wichtig, Ansatzpunkte zu finden, an denen man sich orientieren kann.
Dagmar Venohr erklärt,
dass es noch keine genauen Analysen und Forschungsschwerpunkte zum Thema Bild-Text-Relation
im Kontext von Modezeitschriften gibt, liefert aber Forschungsansätze anhand
derer man analytisch vorgehen könnte.[1]
Nach Roland Barthes, wie
von Venohr zitiert, gibt es fünf Funktionen, die Fotografie erfüllen soll. Erstens
Informieren, das bedeutet, der Fotograf, beziehungsweise sein Auftraggeber, hat
eine bestimmte Intention, eine Botschaft, die er dem Rezipienten vermitteln
möchte. Dies kann bedeuten, dass er die Wirklichkeit darstellt wie sie ist, ein
Scheinbild, etwas Imaginäres aufzeigt oder eine deutliche Inszenierung zeigt.
Dies kann und soll bewusste und unterbewusste Reaktionen im Rezipienten
erzeugen.
Das zweite ist die
Darstellung. Die Darstellung eines Zustandes, einer Tatsache oder Begebenheit,
diese muss nicht immer materiell erfassbar sein. Es kann sich um eine Emotion
handeln. Mit Darstellung ist die Präsentation und Repräsentation gemeint.
Die dritte Funktion der
Fotografie finden wir in der Überraschung, sie dient dazu, den Leser bzw.
Betrachter neugierig zu machen, zu schocken, zu verblüffen. Der Schockmoment an
sich hat jedoch wenig Inhalt, vermittelt kaum Information, scheint nur eine
Reaktion des Fotografen auf ein bestimmtes Ereignis zu sein. Eine Fotografie
sollte aber den Moment der Unvorhersehbarkeit haben, dem Betrachter etwas
Neues, Ungeahntes zeigen.
In der Bedeutung liegt
die vierte Funktion. Sie kann abhängig sein vom Produktionskontext des Bildes,
seiner Veröffentlichung und dem angesprochenen Publikum. Die Interpretation
kann je nach sozialem Stand und Vorwissen stark variieren. Als Fotograf kann
man sich dieser Funktion jedoch bewusst bedienen und sie gezielt, zum Beispiel
zur Werbung, einsetzen. Die Subjektivität der Bedeutung finden wir auch in der
Verlockung, der letzten Funktion. Denn eine Fotografie soll eine Begierde wecken,
Sehnsüchte im Betrachter auslösen. Die Verlockung ist disproportional für die
Rezipienten, kann einen höheren Stellenwert in der Wahrnehmung des Bildes
einnehmen als die anderen Funktionen.[2]
Eine wissenschaftliche
Bearbeitung und Analyse der Modefotografie gibt es nicht. Nur vereinzelt gibt
es kostümkundliche Recherchen, die aber das Kleidungsstück an sich im Fokus
stehen lassen und nicht den Modekontext. Weiterhin wird Modekleidung eher
illustrativ verwendet oder zur Veranschaulichung von geschlechtsspezifischen
Eigenheiten.
Somit verliert die
Modefotografie jedoch ihren eigentlichen Sinn. Sie bildet nämlich die modische
Kleidung ihrer Zeit, im Verhältnis der Trägerin/des Träger ab, und gibt damit
Aufschluss über das Frauen- bzw. Männerbild.
In ihrer Medialität ist
auch die Modefotografie, also das eigentliche Bildmaterial nicht zu trennen von
Text, Veröffentlichungskontext, Zeit, dem Fotografen, Models und sogar dem
angesprochenen Rezipienten.[3]
Im Folgenden muss also
klar sein, dass die Analyse einer Modefotografie immer in ihrem
massen-medialien Kontext zu sehen ist.
Weiterhin ist es
wichtig, dass es schwierig ist eine genaue Unterscheidung zwischen Mode-,
Werbe- und Kunstfotografie zu machen. Es ist fast unmöglich zu sagen, dass die
Kleidung in ihrem reinen Be-Kleidungskontext abgebildet ist oder rein zur
Werbung inszeniert wurde. Ein Modefoto erfüllt zu gewissen Teilen auch immer
einen werbenden Zweck, da ein Konsumgut abgebildet wird. Man muss sich also
über die Interkontextualität der Modefotografie bewusst sein.[4]
Was ist eigentlich eine
Zeitschrift? „Eine Zeitschrift ist […]
ein Printmedium[...]. Sie kann regelmäßig oder unregelmäßig erscheinen, in
gebundener, gehefteter, immer ähnlicher oder gleicher Form. Der Begriff
„Magazin“ wird meist synonym gebraucht. In Abgrenzung zur Zeitung, die
tendenziell aktuellere Nachrichten liefert, bietet die Zeitschrift meist
Hintergrundinformationen und ausführliche Berichterstattung, die Übergänge sind
jedoch fließend. Die Zeitschrift ist meistens nicht regional begrenzt, mit
Ausnahme der Stadtzeitschriften, und überwiegend in höherem Maße mit Bildern
versehen. Sie wird allgemein als periodisches Presseerzeugnis und Leitmedium
bezeichnet.“[5]
Differenzieren kann man
das Angebot an Zeitschriften nach den jeweiligen Zielgruppen. Das bedeutet: Man
kann der Zielgruppe der italienischen Vogue z.B. ein Publikum zuordnen, das zum
Großteil aus Frauen besteht, deren Alter sehr variieren, die jedoch modeinteressiert
sind und dies vielleicht im überdurchschnittlichen Maße.
Modezeitschriften werden
meist den Frauenzeitschriften zugeschrieben, bilden also keinen eigenen Typus.
Mode- und Lifestyle-Zeitschriften lassen erkennen, dass die Grenzen fließend
sind.
Ein Blick auf die
Geschichte der Modezeitschriften zeigt schon, dass sie angefangen haben, sich
mit der Frau als Gesellschaftswesen zu beschäftigen, dann jedoch langsam einen
Wandel von der Darstellung gesellschaftlicher Konventionen hin zur modischen
Kleidung fanden. Daraus lässt sich auch eine Differenzierungsmaßnahme erkennen,
aus der verschiedenste sozialspezifische Modezeitschriften entstanden sind.[6]
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